Juli 2016

„Wir sind auch für die jungen Leute da“

Jürgen Hestermann erster Vorsitzender des SoVD-Kreisverband Heidekreis / Inklusion und öffentliche Wahrnehmung wichtige Themen

Von Sarah Langemeyer

WALSRODE. Er habe einen Sprachfehler, gesteht Jürgen Hestermann mit einem Augenzwinkern und erklärt: „Ich kann nicht nein sagen“. Also sagte er ja, als er gefragt wurde, ob er Vorsitzender des Sozialverbandes im Heidekreis werden wollte. Doch das die Entscheidung diese Position anzunehmen nicht nur mit dem scherzhaft gemeinten Sprachfehler zu tun hat, sondern auch mit guter Überlegung, das beweisen folgende Zahlen: 7400 Frauen und Männer sind Mitglieder, organisiert in 22 Ortsvereinen. Damit ist der SoVD Heidekreis einer der mitgliederstärksten Verbände im Landkreis.

In die Rolle als erster Vorsitzender, die er seit rund einem Jahr ausfüllt, musste Hestermann anfangs erst hinein wachsen. Den sein Vorgänger, Günter Steinbock aus Munster, verstarb plötzlich im Frühjahr 2015. „Ich wurde mehr oder weniger ins kalte Wasser geschmissen. Zwar war ich vorher bereits zweiter Vorsitzender im Verband, aber auch dieses Amt hatte ich noch nicht lange inne“, erklärt der 63-Jährige mit einer ruhigen und freundlichen Art. Denn erst 2014, also knapp ein Jahr vor dem plötzlichen Tod Steinbocks, war es genau dieser, der Hestermann zum Amt des zweiten Vorsitzenden überredet hatte. So konnte der gebürtige Walsroder und Vater eines Sohnes sozusagen aus zweiter Reihe miterleben, was es bedeutet, Vorsitzender eines Verbandes zu sein, der für soziale Gerechtigkeit steht. In Hodenhagen übte Hestermann die Verantwortung bereits im kleinem Rahmen, denn im Ortsverband war er ebenfalls im Vorstand aktiv. Auf Kreisebene sei es besonders das Team um Anneliese Heller, Kreisschatzmeisterin (Walsrode), Schriftführerin Margret Urban (Schwarmstedt) und Kreisfrauensprecherin Annette Krämer (Ahlden), dass ihm den Start in das anspruchsvolle Amt erleichtert hat.

Mit Kreisfrauensprecherin Krämer eint Hestermann dasselbe Schicksal: Beide kamen durch einen schweren Motorradunfall zum Verband. Sie brauchten Hilfe bei dringenden sozialrechtlichen Fragen. Aber nicht nur in solchen Fällen hilft der Verband, der während des Ersten Weltkrieges „Reichsbund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“ hieß. Der SoVD unterstützt auch in Bereichen der Rente, Pflege und auch Sozialhilfe. „Wir sind ebenso Ansprechpartner in Fällen von Hartz IV, Schwerbehinderung, Kranken- sowie Arbeitslosengeld und vielem mehr“, erklärt Anneliese Heller. Dabei sei die Arbeit ehrenamtlich und Hestermann verweist: „Wir wollen kein Geschäft mit der Beratung machen“.

Für den ehemaligen Kraft-Mitarbeiter ist es nun wichtig, etwas zurückzugeben an „seinen“ Verband. Seine Ziele sind es, den SoVD stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren, „damit die Wahrnehmung und das Bewusstsein bei den Menschen größer ist“. Denn oft sei man erst bekannt, wenn die Not da ist, dabei sei der Sozialverband mitgliederstärker als so mancher Sportverein. Öffentlich habe man bereits den „Equal-Pay-Day“ und eine Luftballonaktion zum Thema Inklusion (WZ berichtete) veranstaltet. Demnächst, am 15. August, ist ein Bingo-Nachmittag um 14.30 Uhr im Restaurant Anders mit dem Moderator Michael Thürnau geplant. Auch wolle der Verband gezielter die jungen Leute ansprechen, denn auch diese könnten im Fall der Fälle vom SoVD mit der Geschäftsstelle an der Vogteistraße in Bad Fallingbostel profitieren.

(Pressesprecher SoVD-Heidekreis Klaus Müller)

(Erschienen in der WZ am 18.07.2016)

Der Mann mit dem Moped…

Jürgen Hestermann führt seit einem Jahr den SoVD-Kreisverband Heidekreis mit mehr als 7000 Mitgliedern an

 

Hodenhagen /Heidekreis. „Er ist ein Guter“, sagt der ältere Mann um die Ecke. „Der passt zu uns.“ Und er meint seinen neuen Kreisvorsitzenden Jürgen Hestermann aus Hodenhagen, der seit gut einem Jahr den so mitgliederstarken Verband anführt und schon mehr erreicht hat als viele von ihm erwartet haben. Ruhe zeichnet ihn aus, milde Freundlichkeit und „Anpacken“, die Ärmel aufkrempeln für seine mehr als 7000 Mitglieder im gesamten Heidekreis. „Und irgendwann möchte ich sie alle, ob Nord oder Süd, noch enger

zusammenbringen.“

Der Mann mit dem Moped, so kennt man ihn, wenn man Jürgen Hestermann bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung erwischt: Dann „düst“ er durch die Gegend, manchmal auch ganz allein, um abzuschalten, nachzudenken und neue Ideen zu schmieden.

1953 im Walsroder Krankenhaus geboren, besuchte er zunächst die Hauptschule in Hodenhagen nahe der Aller und lernte, man soll es nicht glauben, Fleischer in Rethem. Lange Zeit blieb er dort, ging zur Bundeswehr, wurde Feldkoch in Munster und – DJ im Deutschen Haus in Hassel, später gemeinsam mit seiner späteren Frau Susanne im Nebenjob im Studio 78 in Walsrode. 1983 heirateten die beiden. Als der Sohn Hajo geboren wurde, stellte das Ehepaar alle Nebentätigkeiten ein. Und Jürgen Hestermann wurde tüchtiger KRAFT-Mitarbeiter in Fallingbostel. Dort hat er bis zu seinem Rentenantritt am 1. April 2016 gearbeitet.

Ein heftiger Motorradunfall im Jahre 2007 brachte ihn in den Sozialverband. „Die haben mir damals sehr geholfen, und ich möchte ihnen davon ein klein wenig Dank zurückgeben.“ 2012 wurde er in den Vorstand des SoVD Hodenhagen, dann – zwei Jahre später – zweiter Vorsitzender des SoVD Heidekreis. Nach dem plötzlichen Tod des langjährigen 1. Vorsitzenden Günter Steinbock aus Munster hat er sich dann sofort zur Verfügung gestellt, das schwere Amt zu übernehmen.

Frauen dominieren im Kreisvorstand, den er um sich herum geschart hat. „Meine Mädels“, nennt er sie immer wieder liebevoll, „die können sehr viel und arbeiten noch mehr“, sagt er augenzwinkernd. Klar, die eine holte er sich aus Ahlden als neue Kreisfrauensprecherin - sie ist kaum zu bremsen; die andere hat engste Verbindungen zum Bezirk und zur Landesebene und führt mit dem SoVD Walsrode einen der größten Ortsverbände im Heidekreis an. Und die dritte im Bunde entwickelt Schwarmstedt zu einer festen SoVD-Burg. Der Norden.“da werden wir noch mehr Mitstreiter finden müssen,“ sagt Jürgen Hestermann, der mit Heinrich Mahncken aus Schneverdingen schon einen Tüchtigen gefunden hat, aber auch die anderen großen Ortsvereine des Nordkreises enger für die Kreisarbeit interessieren möchte.

Eine Aufgabe von vielen, die sich Jürgen Hestermann für die nächste Zeit vorgenommen hat. Themen gibt es „wie Sand am Meer“, sagt er und freut sich nicht nur über steigende Mitgliederzahlen im Verband, bedingt durch das Thema Rente, das sich der Sozialverband auf seine Brust geschrieben hat. Sondern auch über viele neue Ideen, die ihm bei den zahlreichen Jahreshauptversammlungen im Kreis, die er fast sämtlichst besuchte, zugeflogen sind. „Macht einfach Spaß“, sagt der „Mann mit dem Moped“ und pfeilschnellem Auto und saust Richtung Landesverband Hannover, der zum nächsten Termin eingeladen hat.

(Pressesprecher SoVD-Heidekreis Klaus Müller)

Rösel und SoVD-Kreisverband Heidekreis: Förderschule erhalten

CDU-Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel trifft SoVD-Kreisverband Heidekreis

„Die ´Förderschulen Lernen´ in Niedersachsen sollten erhalten bleiben. Die inklusive Schule wird zwar gut angenommen, die vollständige Abschaffung von Förderschulen durch die Landesregierung geht aber an der Realität und den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei“, betonte die CDU-Bundestagsabgeordnete Kathrin Rösel nach einem Gespräch mit dem Sozialverband im Heidekreis, zu dem der Vorstand des Verbandes Rösel im Rahmen ihrer Sommertour eingeladen hatte. Die Beteiligten waren sich einig, dass sich Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf Wahlfreiheit wünschen, die durch die Abschaffung von Förderschulen nicht mehr gegeben sei.

Der Inklusionsgedanke stand auch im weiteren Gespräch im Mittelpunkt. Barrierefreiheit, nicht nur bei öffentlichen Bauten, müsste stärker verankert werden können, forderten die Vertreter des SoVD. Frauensprecherin Annette Krämer brachte es auf den Punkt: „Wir sind nicht behindert, sondern werden behindert, wenngleich an verschiedenen Orten mit einfachsten Mitteln Barrierefreiheit geschaffen werden könnte.“ Die CDU-Politikerin Rösel warb beim Verband in diesem Zusammenhang um aktives Engagement bei der anstehenden Kommunalwahl. „Nur wenn Sie Ihre Anliegen vortragen, sich selbst einbringen und Einfluss nehmen, erreichen Sie Verbesserungen auch bei sich vor Ort“, so Rösel. Kommunalpolitiker hätten es in der Hand, durch Bauvorschriften für mehr Inklusion im Alltag zu sorgen, auch jenseits von öffentlichen Gebäuden, die bereits entsprechende Vorgaben zu erfüllen hätten. (Pressesprecher SoVD-Heidekreis Klaus Müller)

 

(Pressesprecher SoVD-Heidekreis Klaus Müller)

(Erschienen in der WZ am 20.07.2016)

Eigenes Teilhabegesetz für Menschen mit Behinderung

Lars Klingbeil will Experten-Stimmen aus der Region einbringen

 

WALSRODE. Das Bundesteilhabegesetz gehört zu den sozialpolitischen Schwerpunkten in der laufenden Legislaturperiode des Bundestags. Mit dem Gesetz, das eine Reihe von Maßnahmen bündelt, soll die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessert werden. Im September soll es in den Bundestag eingebracht werden. Vorab traf sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil mit Experten und Trägern aus dem Landkreis Rotenburg und Heidekreis, um ihre Anforderungen ans neue Gesetz zu diskutieren.

„Mir war es wichtig, frühzeitig mit den Experten aus meinem Wahlkreis zu besprechen, auf was ich im anstehenden Gesetzgebungsverfahren achten soll. Das Bundesteilhabegesetz kann ein Meilenstein auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft werden“, so Klingbeil.

Dafür müssten aber viele Dinge beachtet werden. Vertreter der Heide-Werkstätten, des Sozialverbandes, der Arbeiterwohlfahrt, der Lebenshilfe Soltau und der Rotenburger Werke waren bei dem Termin dabei. Die Gesprächsteilnehmer äußerten deutliche Kritik zu den derzeit diskutierten Plänen. Zum Beispiel dürfe die Neufassung des Behinderungsbegriffs nicht dafür sorgen, das Menschen mit psychischer Erkrankung schlechter gestellt werden. Eine Erhöhung des Verwaltungsaufwands ohne erkennbare Verbesserung in gewissen Bereichen sei zudem nicht hinnehmbar. Er habe viele Punkte für die weitere Debatte mitgenommen, die er mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles besprechen werde. Ihm sei vor allem wichtig, dass die Tarifbindung für die Leistungserbringer durch die Neuregelung nicht geschwächt wird. Es müssten noch einige Fragen geklärt werden, damit das Gesetz zum 1. Januar 2017 in Kraft treten könne, so Klingbeil.

(Pressesprecher SoVD-Heidekreis Klaus Müller)

(Erschienen in der WZ am 11.07.2016)