Dezember 2025
Traditionelles Frauenpolitisches Frühstück des SoVD Heidekreis„Wir durften erst ab 1977 ohne Erlaubnis arbeiten“
Bad Fallingbostel/Heidekreis (mü). Frauen dürfen erst seit 1977 ohne Genehmigung ihrer Partner arbeiten, sagt am Samstagvormittag Claudia Schiesgeries, stellvertretende Landrätin aus Bothmer vor 20 Frauensprecherinnen der SoVD-Ortsverbände. Früher habe man kleben müssen, damit es zu einem irgendwie akzeptablen Betrag für die Rente kam. Und trotzdem sind es gerade die Frauen, die unter der Armutsgrenze heute leben und schauen müssen, ob sie über die Runden kommen. „Ich war kürzlich bei meiner Rentenberaterin und habe erfahren, wie schlecht die Situation in der heutigen Zeit ist.“
Das traditionelle Frauenfrühstück, das Kreisfrauensprecherin Annette organisiert hat, war gut besucht. 20 Frauensprecherinnen aus den Ortsverbänden waren gekommen, um nicht nur ein üppiges Frühstück genießen zu dürfen, sondern auch gemütlich zusammen zu sein und ihre Erfahrungen auszutauschen. Kreisvorsitzender Jürgen Hestermann verfolgte die zweistündige Veranstaltung. Und Claudia Schiesgeries erzählte aus ihrem beruflichen Leben, wie immer sehr lebendig und ehrlich. Sie machte den Frauen Mut, noch mehr aktiv zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Sie selbst ist im Kreistag, in der Samtgemeinde und in der Gemeinde vertreten und geht in Schwarmstedt als Bürgermeisterin couragiert durch die Politik. „Ich habe mich durchboxen müssen,“ sagt die aktive Radfahrerin heute, und ich habe es geschafft.“ Auch wenn sie immer wieder gegen eine Männerwelt bestehen musste. Nun beschäftigt sie sich mit der Rente und hat erste eigene Erfahrungen gemacht. Claudia ist eine der guten Politikern, die sich immer wieder für die Belange der Gesellschaft einsetzt. Und darum war ihr Gedankenaustausch mit den Frauensprecherinnen so gut.
(Bildnachweis: VP)
SoVD-Umfrage: Pflegende Angehörige brauchen mehr HilfeBreite Zustimmung zur Pflege-Bürgerversicherung
Hannover. Eine Umfrage des Sozialverbands Deutschland (SoVD) zeigt: Fast 80 Prozent der Befragten in Deutschland finden, dass die staatliche Unterstützung für pflegende Angehörige unzureichend ist. Für Niedersachsen hat dieses Ergebnis besondere Bedeutung, da etwa 85 Prozent der Pflegebedürftigen von Angehörigen zuhause versorgt werden. Der SoVD in Niedersachsen fordert deshalb von der Landesregierung, ambulante Pflegedienste nachhaltiger zu finanzieren und pflegende Angehörige spürbar zu entlasten.
Immer mehr Menschen in Niedersachsen werden im Pflegefall zuhause betreut. Meistens, weil sie in ihrer vertrauten Umgebung bleiben möchten, häufig aber auch, weil ein Platz im Pflegeheim zu teuer ist. Die Pflege wird dann in erster Linie von Angehörigen übernommen. „Sie sind der größte Pflegedienst Deutschlands, bekommen aber viel zu wenig Unterstützung“, stellt Dirk Swinke, Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen, fest. Das bestätige auch die Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Verbands durchgeführt hat. „Die Zahlen machen deutlich, dass sich pflegende Angehörige von der Politik im Stich gelassen fühlen. Es fehlt an Wertschätzung und Entlastung“, so Swinke weiter. Das könne nicht so weitergehen, die Politik müsse die Notbremse ziehen.
Aus SoVD-Sicht sind vor allem eine Stärkung und eine nachhaltige Finanzierung von ambulanten Pflegediensten nötig, da sie wesentlich zur Entlastung der Angehörigen beitragen. „Außerdem muss die Landesregierung für mehr niedrigschwellige Unterstützungsangebote direkt vor Ort sorgen“, fordert der Vorstandsvorsitzende. Besonders wichtig sei es aber, dass sich das Land auf Bundesebene für eine Pflegevollversicherung, die alle Leistungen übernimmt, die Einführung eines Familienpflegegelds und für eine Pflege-Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, einsetzt. Letztere wird auch von rund 80 Prozent der Befragten der SoVD-Erhebung positiv gesehen.
Civey hat für den Sozialverband Deutschland vom 2. bis zum 16. Oktober 2025 online 2.500 Bundesbürger*innen ab 18 Jahren und 500 Personen, die eine*n Angehörige*n pflegen, befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 3,5 Prozentpunkten (Gesamtbevölkerung) und 9,1 Prozentpunkten (pflegende Angehörige) beim jeweiligen Gesamtergebnis. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier: civey.com/unsere-methode.
Einsamkeit bei Menschen mit Behinderung: „Landesregierung muss das Ruder endlich rumreißen“„Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung“ am 3. Dezember
Hannover. Untersuchungen zeigen: Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen sind besonders häufig von Einsamkeit betroffen. Fehlende Mobilität, höhere Arbeitslosigkeit und ein größeres Armutsrisiko führen zu sozialer Isolation. Anlässlich des „Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung“ am 3. Dezember macht der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen klar, dass die Landesregierung diese Entwicklung als gesamtgesellschaftliches Problem erkennen und durch konkrete Schritte stoppen muss.
Laut „Einsamkeitsbarometer 2024“ weisen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung deutlich höhere Belastungen durch Einsamkeit auf als andere Gruppen. „Insgesamt fühlen sich immer mehr Menschen in Niedersachsen sozial ausgeschlossen. Dass die Werte bei denjenigen, die eine Behinderung haben, höher sind, wundert uns als Sozialverband nicht“, erläutert Dirk Swinke, Vorstandsvorsitzender des SoVD in Niedersachsen. Denn: Betroffene hätten mit besonders vielen Barrieren zu kämpfen, die Einsamkeit verstärken. „In Niedersachsen sind Bus und Bahn oft nicht barrierefrei. Das führt dazu, dass Menschen mit Behinderung weniger am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, so Swinke weiter. Auch beim Thema Arbeit würden Betroffene benachteiligt. „Menschen, die eine Behinderung haben, sind doppelt so oft arbeitslos wie Menschen ohne Einschränkung. Das liegt jedoch nicht an fehlenden Kompetenzen, sondern hat in erster Linie damit zu tun, dass Unternehmen immer noch viel zu selten Arbeitnehmer*innen mit Behinderung einstellen“, betont der Vorstandsvorsitzende. Hier müsse sich dringend etwas in den Köpfen der Verantwortlichen ändern: „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können wir auf dieses Wissen und Engagement nicht verzichten.“
Mit großer Sorge betrachtet Niedersachsens größter Sozialverband die Tatsache, dass Menschen mit Behinderung ein besonders hohes Armutsrisiko haben. „Daran muss sich dringend etwas ändern“, fordert der niedersächsische SoVD-Chef. Die Landesregierung habe zwar mit dem „Vierten Aktionsplan Inklusion“ Ziele formuliert, allerdings fehlten vielerorts konkrete Umsetzungsschritte, verbindliche Zeitpläne und vor allem die finanziellen Mittel. „Wir brauchen in Sachen Inklusion unbedingt mehr Tempo, die Landesregierung muss das Ruder jetzt endlich rumreißen. Es darf nicht sein, dass Menschen mit Behinderung sich derart ausgegrenzt und abgehängt fühlen“, sagt Swinke.





