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Juli 2024

Hohe Pflegeheimkosten: Betroffene dürfen nicht auf Sozialhilfe angewiesen seinEigenanteil in Niedersachsen steigt auf über 2.500 Euro im Monat

Heidekreis. Schockierende Zahlen: Wer in Niedersachsen in einem Pflegeheim lebt, muss immer mehr dazubezahlen. Das zeigt eine aktuelle Berechnung des Verbands der Ersatzkassen (vdek). Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen zeigt sich angesichts dieser Zahlen erschüttert und appelliert an die Landesregierung, Betroffene schnell zu entlasten und die Investitionskosten für Pflegeheimplätze zu übernehmen.

Über 2.500 Euro im Monat müssen Pflegebedürftige laut vdek-Untersuchung in Niedersachsen selbst dazubezahlen, wenn sie in einem Pflegeheim untergebracht sind. Und der Eigenanteil steigt immer weiter: Vor drei Jahren waren es noch 600 Euro weniger. „Dieser Zustand ist unhaltbar. Das kann sich niemand mehr leisten – vor allem nicht bei einer durchschnittlichen Rente von etwa 1.200 Euro monatlich“, sagt Dirk Kortylak, Vorstand des SoVD in Niedersachsen. Die Konsequenz: Pflegeheimbewohner*innen müssen Sozialhilfe beantragen. „Das ist unwürdig. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, darf nicht auf Hilfe vom Staat angewiesen sein, wenn er*sie pflegebedürftig wird“, so Kortylak weiter. Die Menschen seien wirklich verzweifelt: „Immer mehr Ratsuchende kommen zu uns in die Beratung und wissen nicht mehr weiter, weil ihnen die Pflegeheimkosten über den Kopf wachsen.“

Aus Sicht des größten Sozialverbands in Niedersachsen müssten zwei Maßnahmen dringend umgesetzt werden. „Das Land Niedersachsen muss wieder die Investitionskosten übernehmen – also den Betrag, den Heimbewohner*innen für Instandhaltung der Gebäude und Ausstattung bezahlen. Das würde Betroffene schnell und deutlich entlasten“, fordert der SoVD-Vorstand. Das Argument, dass hierfür das Geld fehle, sei irreführend. „Wenn Pflegebedürftige Sozialhilfe beantragen, muss der Staat einspringen. Das ist also eine Milchmädchenrechnung“, so Kortylak weiter. Außerdem brauche es eine Reform der Pflegeversicherung. Die Einführung einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, sei jetzt der richtige Weg.

Pflegegrad 1 auch für Menschen mit leichten Einschränkungen Beantragung erfolgt oft erst spät

Bad Fallingbostel.  Besonders mit zunehmendem Alter treten gesundheitliche Probleme auf. Doch die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie auch schon bei leichten Einschränkungen den Pflegegrad 1 beantragen können. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Bad Fallingbostel.  rät Betroffenen, sich einstufen zu lassen, auch wenn sie unsicher sind, ob ein Pflegegrad anerkannt wird.

Was viele nicht wissen: Auch schon mit leichten kognitiven, körperlichen oder psychischen Einschränkungen kann der Pflegegrad 1 bei der Pflegekasse beantragt werden. „Oft wird ein Antrag erst gestellt, wenn Betroffene nicht mehr alleine zurechtkommen, weil ihnen nicht bewusst ist, dass auch vorher schon ein Anspruch besteht“, weiß Carola Rauch aus dem Beratungszentrum in Bad Fallingbostel.. Der Medizinische Dienst (MD) bewertet die Selbstständigkeit der Antragstellenden nach verschiedenen Kriterien eines Punktesystems und entscheidet so über eine mögliche Einstufung in einen Pflegegrad. Bewertungskriterien sind unter anderem Mobilität, Erinnerungsvermögen und die eigenständige Bewältigung des Alltags.

Obwohl Betroffenen bei Pflegegrad 1 Pflegegeld oder Pflegesachleistungen nicht zustehen, hat die Beantragung trotzdem Vorteile: Betreuungs- und Entlastungsleistungen können genutzt werden. So steht beispielsweise ein monatlicher Betrag von 125 Euro etwa für eine Alltagsbegleitung und weitere Betreuungsangebote zur Verfügung. Außerdem werden Pflegehilfsmittel und ein Hausnotruf bezuschusst.  Bei Bedarf können auch Zuschüsse von bis zu 4.000 Euro für einen barrierefreien Umbau des Wohnraums gezahlt werden. „Deshalb empfehlen wir, auch bei leichten Einschränkungen einen Pflegegrad zu beantragen oder eine Höherstufung prüfen zu lassen“, sagt Rauch.

Weitere Fragen beantworten die Berater*innen des SoVD in Bad Fallingbostel.. Zu erreichen ist der Verband unter info.badfallingbostel(at)sovd-nds.de

oder unter der Telefonnummer 05162-904849.

SoVD-Umfrage zeigt: Pflege macht Menschen große SorgenRund 1.400 Befragte antworten zu Kosten, Vorsorge und Engagement der Politik

Hannover. Eine Umfrage des Sozialverbands Deutschland (SoVD) in Niedersachsen zeigt: Vielen Befragten macht das Thema Pflege Angst. Egal, ob es um die Kosten, die finanzielle Vorsorge oder das Engagement der Politik geht – insgesamt sorgen sich die Menschen. Der SoVD sieht mit den Ergebnissen seine Einschätzungen bestätigt und fordert ein schnelles Handeln der Landes- und Bundesregierung.
Fast drei Viertel der Befragten sagen in der SoVD-Erhebung, dass sie Angst vor den finanziellen Lasten haben, wenn sie später einmal pflegebedürftig werden. „Das ist auch kein Wunder. Pflegebedürftige müssen schon jetzt für einen Pflegeheimplatz in Niedersachsen etwa 2.300 Euro im Monat dazu bezahlen. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Rente bei 1.200 Euro. Die meisten haben keine Ahnung, wie sie diese Lücke schließen sollen“, erläutert Dirk Kortylak, Vorstand des SoVD in Niedersachsen. Hier gebe es zwei Stellschrauben, an denen die Politik jetzt drehen müsse: „Das Land muss wieder die Investitionskosten übernehmen. Das bringt Pflegeheimbewohner*innen eine Ersparnis von etwa 500 Euro im Monat.“ Von der Bundesregierung fordert er, endlich für Renten zu sorgen, von denen man im Alter gut leben kann.
Hinzu kommt, dass 67 Prozent der Befragten – vor allem Frauen – angeben, sich private Vorsorge im Bereich Pflege finanziell nicht leisten zu können. „Das führt dazu, dass Pflege zu einem Thema wird, vor dem viele Angst haben. Um das zu ändern, muss die Politik nicht nur kleine Maßnahmenpakete schnüren, sondern das marode Pflegesystem im Ganzen anpacken“, so Kortylak. Es brauche sowohl eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, als auch eine Pflegeversicherung, die alle Kosten übernimmt und nicht nur einen Teil. Auch die Umfrage-Teilnehmenden stellen der Politik ein schlechtes Zeugnis aus: 93 Prozent finden, dass zu wenig für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen getan wird.
Der SoVD hat die nicht-repräsentative Befragung im Rahmen seiner Kampagne „Für mehr Miteinander“ an zahlreichen Standorten in Niedersachsen – darunter Hannover, Diepholz, Göttingen, Hameln und Rotenburg/Wümme durchgeführt. Insgesamt haben fast 1.400 Menschen daran teilgenommen.